Old Perithia

Heute geht es in den Nordosten zum Pantokrator, dem höchsten Gipfel der Insel. Die Angaben über die Höhe sind nicht einheitlich. Es ist irgendetwas zwischen 906 und 917 m. Pantokrator bedeutet Weltherrscher und steht für Jesus Christus. An der Strecke dorthin befindet sich ein ganz spezieller Aussichtspunkt. Das verlassene Gebäude bietet einen tollen Blick von der Dachterrasse und hat sogar noch ein Untergeschoss.

In der Nähe des Pantokrators ist auf 450 m Höhe der als „lost Place“beworben Ort Παλαιά Περίθεια. Verlassen ist der Ort heutzutage jedoch nicht mehr. Seit den 1960er-Jahren wurde der Ort allerdings mehr und mehr verlassen und geriet fast in Vergessenheit. Heute lebt nur noch eine Handvoll Leute ganzjährig dort, allerdings kommt in den letzten 10 Jahren immer mehr Leben ins denkmalgeschützte Dorf und die Ruinen werden langsam restauriert. Es gibt einige Tavernen und einen kleinen Shop. Im 14. Jahrhundert schätze man Perithia dafür, dass man dort geschützt war vor Piratenüberfällen und der Malaria, die damals noch im südlichen Europa grassierte.

Vom Ort kann man schon zum Pantokrator mit dem Sendemast und der Kirche blicken. Sieht gar nicht so weit aus und nach einer Stärkung machen wir uns auf den Weg. Dass die Fahrt noch zu einem Abenteuer werden soll, ahnen wir da noch nicht.

Es gibt eine asphaltiere Straße bis hinauf zum Gipfel, aber es gibt auch einen nicht asphaltierten Weg, der nur knapp 9 km lang ist und laut Google Maps 38 Minuten dauert. Die asphaltierte Strecke wäre doppelt so lang, und soll 52 Minuten dauern. In der Taverna hatte uns die Bedienung zwar gesagt, dass man für den kürzeren Weg einen Wagen mit Allradantrieb haben sollte, aber da es absolut trocken ist, biegen wir mutig auf den unbefestigten Weg ab. Dass die voraussichtliche Fahrzeit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 15 km/h entspricht, ist natürlich schon ein Indiz dafür, dass die Fahrt anspruchsvoll werden könnte. Nach den ersten holprigen Metern wird der Weg dann jedoch schon wieder besser, was allerdings nicht lange anhält. Immer wieder kommen richtig schlechte Abschnitte. Umdrehen ist auch keine Alternative, da es keine Wendemöglichkeit gibt und im Rückwärtsgang wäre das der Horror. Immer wieder kommen Bereiche, bei denen man erst mal zu Fuß schauen muss, wie das bewältigt werden kann. Es gibt zwei Gedanken, die die ganze Zeit im Kopf sind. Werden die spitzen Steine gleich einen oder mehrere Reifen zerstören oder wird einer dieser Steine die Ölwanne des Motors aufschlitzen? Die unschönen Geräusche während der Fahrt unterstützen diese Gedanken noch. Auf der Beifahrerseite hat man ja auch noch den Abgrund im Blick und manchmal ist der einzige Weg über eine schwierige Stelle hinwegzukommen möglichst weit rechts zu fahren. Hinzu kommt, dass die Sonne langsam untergeht und die Weiterfahrt auf der Strecke ohne Tageslicht noch weniger witzig wäre. Vor lauter Anspannung haben wir es ganz versäumt, den kleinen Micra auf dieser anspruchsvollen Piste zu fotografieren. Als wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit endlich wieder die asphaltierte Straße erreichen, ist das eine Erleichterung. Um 19:20 Uhr kommen wir auf dem Gipfel an und nur noch ein schmales rotes Band ist am Himmel zu sehen. Im Dunkeln gehen wir durch den Wald der Antennen und genießen den Ausblick. Die Fahrt war auf jeden Fall ein ungeplantes Abenteuer, das in Erinnerung bleiben wird.