Bwindi Impenetrable Forest

Wer erinnert sich nicht an Diane Fossey und „Gorillas im Nebel“. Letztendlich ließ sie 1985 ihr Leben für den Schutz und Erhalt der Gorillas.
Heute ist es so weit. Ich werde dem Silberrücken und seiner Familie im Regenwald des Bwindi Inpenetrable Forest einen Besuch abstatten. Um 6:30h gibt es Frühstück und ca. um 7:00h fahren von der Lodge drei Wagen im Konvoi zu Rushaga Gate. Dort angekommen gibt es ein kurzes Briefing und die Aufteilung in Gruppen. Das Wetter ist gut. Es ist kein Regen in Sicht, was in dieser Gegend leider nicht vorhersagbar ist. Da im November die “Regenzeit” endet können wir somit wirklich von Glück reden. Wir fahren vom Headquarter zum Basispunkt für die Mishaya Gorillafamilie.dscn5228Zunächst aber zum Gorilla trecking oder auch tracking ein paar grundlegende Informationen. Insgesamt gibt es auf der Welt weniger als 900 Gorillas. Diese sind hier in Uganda, in Ruanda und in der demokratischen Republik Kongo anzutreffen. Um der Bevölkerung zu zeigen, dass man mit den Touristen mehr Geld  verdienen kann als z.B. mit Wilderei und auch um zum Erhalt der Art beizutragen, werden einige Gruppen über Jahre habituiert. Das bedeutet, dass sie es mit der Zeit lernen Menschen in Ihrer Nähe zu dulden. Das dauert meist ca. 2 Jahre oder mehr. Da es eine Gratwanderung zwischen Touristenattraktion und Tierschutz ist, darf jeden Tag nur eine Gruppe von bis zu 8 Personen eine Gorilla Familie für 1 Stunde besuchen. Hierzu sind früh morgens bereits Spurensucher im Wald und verfolgen von den Nestern des Vortags den Weg der Gorillas. Diese bauen sich jeden Abend ein neues Nest am Boden und jeder hat sein eigenes Nest, auch die Kleinen.
Mit bewaffneter Begleitung am Anfang und am Ende der Gruppe verlassen wir die Basis während die Spurensucher über Funk angeben, wo sich die Gorillagruppe zur Zeit befindet. Laut Briefing dient die Bewaffnung nur dem Schutz vor nicht habituierten Gorillas und Elefanten. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht auch zur Abschreckung für Wilderer oder Rebellen aus dem nahen Kongo gedacht ist. Schon nach den ersten hundert Metern bin ich ordentlich am schnaufen. Die Steigung ist stark, aber der Weg ist noch gut und die Aussicht fantastisch.dscn5243 dscn5242-1Beruhigend ist, das nicht ich sondern eine junge Frau aus Israel bis jetzt das Schlusslicht bildet. Nach einigen Kilometern erreichen wir ein Plateau und machen dort zum Glück eine Pause. Danach geht es in den Regenwald. Es wird empfohlen die Hose in die Socken zu stecken, damit keine beißenden Insekten in der Hose den Weg nach oben finden. Ausserdem ist ein guter Mückenschutz unabdingbar. Zunächst geht es jedoch weiter auf ausgetretenen Pfaden bergauf und anschließend auf der anderen Seite des Berges wieder hinunter. Nach einer Weile sind dann auch langärmelige Sachen empfohlen, da viele Pflanzen an denen man vorbeistreift auch Dornen haben. Der „Impenetrable“ (undurchdringlich) Teil des Regenwaldes beginnt. Jetzt geht es ohne Machete und Sichel nicht weiter. Ich bin erstaunt was für dicke Äste mit zwei oder drei Schlägen damit durchgehauen werden. dscn5236dscn5240Nach einigen hundert Metern treffen wir auf die Spurensucher. die uns zu den Gorillas führen werden. Das es hier keine Wege mehr gibt braucht wohl nicht erwähnt zu werden.
Schon nach kurzer Zeit das erste „Gorillababy“ unmittelbar vor uns auf einem Baum.dscn5179-1Die Mishaya Gruppe besteht aus 18 Gorillas, davon 1 Silberrücken und derzeit 6 „Kleinkinder“. Nach wenigen Metern und ein paar beherzten Machetenschlägen um das Dickicht zu durchbrechen, der erste Blick auf den Silberrücken. Er sitzt entspannt am Boden und frisst.dscn5223 dscn5204-1

Was für eine Begegnung. Wow!
Im Laufe der Stunde wandert er etwas umher und wir folgen ihm.dscn5251dscn5242dscn5207-1Von dem Rest der Familie sehen wir nur gelegentlich einzelnen Mitglieder, da es hier einfach zu stark bewachsen ist und jeder von Ihnen jetzt mit Futtersuche beschäftigt ist.dscn5273dscn5190-1Eigentlich soll ein Mindestabstand von 7m eingehalten werden. Ich denke es sind manchmal tatsächlich nur 5m. Was soll ich sagen, ein ergreifendes Erlebnis diesen Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum so nahe zu kommen.dscn5285dscn5290dscn5287dscn5312dscn5289dscn5246Zwischendurch turnt immer mal wieder ein „Baby“ durchs Bild.dscn5186-1dscn5262Zweimal während der “Besuchszeit” springt der Silberrücken auf und macht einen Schritt in unsere Richtung. Da bleibt einen fast der Atem stehen. Der Dschungelboden bebt wenn der Koloss sich in Bruchteilen von Sekunden aufgerichtet hat. Alle Touristen weichen erschrocken zurück. Die Führer geben dem Silberrücken mit speziellen Grunzlauten zu erkennen „Alles OK“ und er setzt sich wieder hin. Ein anderer Schreckmoment war, als wir auf dem Weg zur besten Perspektive für ein Foto, einem der überaus niedlichen Babys zu nahe gekommen sind. Ohne das die Mutter vorher zu sehen war schießt sie aus dem Dickicht und gibt lautstark und unmissverständlich zu erkennen, „bis hierher und nicht weiter“,  Natürlich kann man sich gar nicht sattsehen, aber wie gesagt ist zum Schutz der Gorillas nach einer Stunde Schluss. Jetzt so gegen 11Uhr möchte der Silberrücken denn auch mal eine Ruhephase einlegen. Ihm fallen schon die Augen zu.dscn5306dscn5279Der Rückweg ist so anstrengend, dass ich an meine Grenzen komme. Nicht zu vergessen, dass ich mich im Dschungel trotz Wanderstock zweimal auf den Hosenboden gesetzt habe. Fazit des anstrengenden Marsches : Man sollte wohl doch mal Sport machen. Gefühlt ist es so, als ob man an einem Vormittag in über 2000m Höhe zweimal über die Treppe in den 50ten Stock läuft. Wobei über die Treppe wäre es noch einfach. Ständig bleibt man an irgendwelchen Lianen hängen oder rutscht auf dem nassen Dschungelboden aus. Zurück am Startpunkt haben die Dorfbewohner so einiges aufgebaut.dscn5244Am Nachmittag fängt es heftig und langanhaltend an zu regnen. Die Temperaturen sind gefühlt auch nur noch im Bereich von 15°C. Zum Glück bin ich in der Lodge. Ich wage es mir nicht vorzustellen, wenn dieses Wetter am Vormittag gewesen wäre.

Schreibe einen Kommentar